HALLO-PAPA.de Erziehung & Entwicklung Gute Gene, viel Ăśbung – Warum ohne intrinsischer Motivation alles fĂĽr die Katz ist

Gute Gene, viel Ăśbung – Warum ohne intrinsischer Motivation alles fĂĽr die Katz ist


INTRINSISCHE MOTIVATION

Mein Kind ist einfach nicht musikalisch.“ Wenn du das auch schon mal gedacht hast, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht fĂĽr dich. Die schlechte: Die Frage nach Talent oder Training ist eine Falle. Die gute: Es gibt einen dritten Faktor, der entscheidender ist als beides – und den kannst du als Vater direkt beeinflussen.

In diesem Artikel erfährst du, warum die ganze Debatte um Gene und Übung am Kern vorbeigeht und was wirklich zählt, damit dein Kind sein Potenzial entfaltet.

Die groĂźe Debatte: Talent oder Training?

Der schwedische Psychologe Anders Ericsson wurde weltberĂĽhmt mit seiner Forschung, die besagt: AuĂźergewöhnliche Leistungen sind nicht das Ergebnis angeborener Talente, sondern gezielter, intensiver Ăśbung. Seine berĂĽhmte „10.000-Stunden-Regel“ suggeriert, dass praktisch jeder Mensch Spitzenleistungen erbringen kann – wenn er nur genug ĂĽbt.

Auf der anderen Seite stehen Genetiker und Talentforscher, die nachweisen, dass bestimmte Anlagen sehr wohl eine Rolle spielen. Musikalität, räumliches Vorstellungsvermögen, Sprachbegabung – vieles davon hat eine genetische Komponente. Manche Kinder lernen Instrumente schneller, andere haben ein natürliches Gefühl für Zahlen.

Wer hat nun recht? Die ernĂĽchternde Antwort: Beide. Und gleichzeitig greift beides zu kurz.

Der blinde Fleck in der Debatte

Denn die eigentliche Frage, die als Eltern interessiert, ist doch eine ganz andere: Wie bringe ich mein Kind dazu, sein Potenzial auszuschöpfen – egal ob es nun groß oder klein ist? Und genau hier kommt der Faktor ins Spiel, den beide Seiten oft übersehen: die intrinsische Motivation.

Ein hochbegabtes Kind ohne inneren Antrieb wird seine Anlagen verkümmern lassen. Ein durchschnittlich begabtes Kind mit brennender Leidenschaft wird über sich hinauswachsen. Und ein Kind, das 10.000 Stunden gegen seinen Willen übt? Das wird vermutlich weder glücklich noch außergewöhnlich gut.

Die Wahrheit ist: Ohne intrinsische Motivation ist alles für die Katz – die guten Gene genauso wie das disziplinierte Training.

Was ist intrinsische Motivation eigentlich?

Intrinsische Motivation ist eine Form der Motivation, bei der eine Person aus innerem Antrieb heraus handelt, ohne externe Anreize oder Belohnungen. Es ist eine Motivation, die von innen kommt und durch die Befriedigung angetrieben wird, die durch die Tätigkeit selbst empfunden wird. Diese Art der Motivation kann aus persönlichen Interessen, Werten, Zielen und Bedürfnissen resultieren.

Ein Kind, das intrinsisch motiviert Klavier spielt, tut dies nicht für die Belohnung oder um den Eltern zu gefallen – es spielt, weil es die Musik liebt, weil es in den Tönen aufgeht, weil es sich beim Üben lebendig fühlt.

Warum intrinsische Motivation der Gamechanger ist

Stell dir zwei Kinder vor: Das eine hat „gute Gene“ fĂĽrs Schachspielen, wird aber von ehrgeizigen Eltern zum Training gedrängt. Das andere hat durchschnittliche Anlagen, ist aber fasziniert von Strategien und ZĂĽgen, studiert freiwillig Partien und grĂĽbelt beim Einschlafen ĂĽber Eröffnungen nach.

Wer wird wohl langfristig erfolgreicher und – noch wichtiger – glücklicher sein?

Die intrinsische Motivation ist der Motor, der sowohl Talent als auch Ăśbung erst zur vollen Entfaltung bringt. Sie sorgt dafĂĽr, dass ein Kind nicht nur die berĂĽhmten 10.000 Stunden absitzt, sondern sie mit echter Aufmerksamkeit, Neugier und Freude fĂĽllt. Und sie macht aus genetischen Anlagen mehr als nur schlummerndes Potenzial.

Wie du die intrinsische Motivation deines Kindes förderst

Positive intrinsische Motivation gilt es zu fördern. Hier sind die wichtigsten Hebel:

Autonomie und Entscheidungsfreiheit: Kinder sind wie Erwachsene motivierter, wenn sie selbstbestimmt handeln können. Lass dein Kind mitentscheiden, welches Instrument es lernen möchte, welche Sportart es ausprobieren will.

Sinnstiftung und Zweckmäßigkeit: Eine Aufgabe wird als motivierender empfunden, wenn sie einen tieferen Sinn hat und fĂĽr das eigene Leben oder andere von Bedeutung ist. Erkläre nicht nur das „Was“, sondern auch das „Warum“.

Feedback und Anerkennung: Kinder brauchen ehrliche und ungeteilte Aufmerksamkeit sowie Bestätigung in ihrem Tun, um motiviert zu bleiben. Lobe nicht pauschal („Du bist so begabt!“), sondern konkret („Ich sehe, wie konzentriert du an dieser Passage gearbeitet hast!“).

Herausforderung und Wachstum: Die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erwerben und sich weiterzuentwickeln, fördert die intrinsische Motivation. Die Aufgabe sollte weder zu leicht noch zu schwer sein – der „sweet spot“ liegt knapp ĂĽber dem aktuellen Können.

Kooperation und Gemeinschaft: Die Zusammenarbeit mit anderen kann die Motivation steigern, da das gemeinsame Ziel und die Interaktion Motivation und Engagement fördern.

Motivation trifft Begabung: Begabte Kinder und Jugendliche verstehen und gezielt fördern
• Neuer Förderansatz: Fokus auf Wissbegier und Erkenntnisstreben statt reiner Leistung – für ein tieferes Verständnis individueller Begabungen.
• Praxisnahe Diagnostik: Inklusive wertvoller Checklisten, Fragebögen und Fallbeispiele direkt aus der Beratungspraxis.
• Hilfe bei Problemen: Umfassende Strategien zur Unterstützung von Underachievern und zur Motivation in Schule und Elternhaus.

Begabte Kinder fassen bekanntermaßen Inhalte schneller auf als gleichaltrige und zeigen oft andere und tiefgründigere Interessen und Lernbedürfnisse. Ausgehend von den Lern- und Motivmerkmalen begabter Schülerinnen und Schüler soll das Verständnis für individuelle Anlagen, individualisierte Bildung, Förderung im Elternhaus und in der Schule geweckt werden.

Praktische Tipps fĂĽr den Alltag

Um die intrinsische Motivation deines Kindes zu fördern, ermutige es, seine eigenen Interessen und Leidenschaften zu entdecken und zu verfolgen. Zeig Interesse an dem, was dein Kind tut, und hilf ihm, seine Fähigkeiten und Talente zu entwickeln. Lass es auch selbst entscheiden, was es tun möchte, und respektiere seine Entscheidungen.

Wenn du deinem Kind hilfst, seine eigenen Interessen zu verfolgen, wird es eher intrinsisch motiviert sein, seine Ziele zu erreichen. Du kannst auch dafür sorgen, dass dein Kind die Unterstützung und die Ressourcen erhält, die es braucht, um seine Ziele zu erreichen, indem du ihm beispielsweise Lernmaterialien oder Bücher zur Verfügung stellst oder ihm die Möglichkeit gibst, an Aktivitäten teilzunehmen, die es interessieren.

Und was ist mit dem Kind, das sich leidenschaftlich fĂĽr etwas begeistert, worin es „unbegabt“ scheint? Hier gilt: Die Freude zählt mehr als die Perfektion. Ein Kind, das mit Begeisterung mittelmäßig singt, ist glĂĽcklicher als eines, das lustlos virtuos Geige spielt.

Insgesamt geht es bei der Förderung der intrinsischen Motivation deines Kindes darum, ein positives und unterstützendes Umfeld zu schaffen, in dem es seine eigenen Interessen und Leidenschaften entdecken und verfolgen kann. Durch deine Unterstützung und Ermutigung kannst du dazu beitragen, dass dein Kind sich selbst motiviert und ein erfülltes und glückliches Leben führen kann.

Negative intrinsische Motivation vermeiden

Es gibt auch eine Kehrseite: negative intrinsische Motivation. Das ist eine Form der Motivation, bei der eine Person aus einem negativen Antrieb heraus handelt – aus Angst, Scham oder dem Wunsch, etwas Unangenehmes zu vermeiden.

Beispiele dafür sind: aus Angst vor einer Strafe die Hausaufgaben machen, eine unangenehme Aufgabe zu vermeiden oder aus Scham vor dem Versagen zu lernen. Diese Form der Motivation hält nicht lange an und ist selten der Weg zu echter Leistung oder Zufriedenheit. Aus diesem Grund ist Gewalt in jeglicher Form auch immer kontraproduktiv.

Das Fazit für uns Väter

Die Debatte „Talent versus Ăśbung“ fĂĽhrt in die Irre, wenn wir sie als Entweder-oder verstehen. Die entscheidende Frage ist nicht: „Hat mein Kind das Zeug dazu?“ Sondern: „Wie halte ich die Freude am Lernen und Entdecken lebendig?“

Denn ein Kind mit durchschnittlichen Anlagen und brennender Begeisterung wird weiter kommen als ein hochbegabtes Kind, das innerlich schon aufgegeben hat. Gene und Übung sind wichtig – aber ohne den inneren Funken, ohne die intrinsische Motivation, bleiben beide wirkungslos.

Als Väter ist unsere wichtigste Aufgabe deshalb nicht, Talente zu identifizieren oder Trainingspläne aufzustellen. Unsere Aufgabe ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der unsere Kinder ihre eigenen Leidenschaften entdecken können. In der sie scheitern dürfen, ohne beschämt zu werden. In der sie wachsen können, ohne unter Druck zu stehen.

Denn am Ende zählt nicht, ob sie die besten Gene haben oder die meisten Stunden üben. Am Ende zählt, dass sie tun, was sie lieben – und lieben, was sie tun.

Intrinsische Motivation von Kindern fördern:

Hier findest du weitere Infos und Material zu der Steigerung von intrinsischer Motivation fĂĽr dein Kind.

  1. Die 7 Wege zur Effektivität fĂĽr starke Familien (Dein Leben)  Die 7 Wege zur Effektivität fĂĽr starke Familien (Dein Leben) – Dieses Buch ist eine Anleitung fĂĽr Familien, wie sie ihre Beziehungen und ihre Kommunikation verbessern und ihre intrinsische Motivation stärken können, um gemeinsam ihre Ziele zu erreichen.
  2. Dein selbstbestimmtes Kind: UnterstĂĽtzung fĂĽr Eltern, deren Kinder frĂĽh nach Autonomie streben - Lernen sichtbar machen – Das Buch untersucht, welche Lehrmethoden und -strategien am effektivsten sind, um das Lernen von Kindern zu fördern und ihre intrinsische Motivation zu stärken. Es gibt viele praktische Beispiele und Empfehlungen, die Eltern und Lehrer umsetzen können.
  3. Das Buch Hochsensible Kinder: Erziehungsratgeber fĂĽr eine liebevolle Erziehung. Wie Sie gefĂĽhlsstarke und... Erfolgreich lernen: Wie Sie Ihr Kind zu guten Noten fĂĽhren von Ischta Lehmann ist ein Ratgeber fĂĽr Eltern, der praktische Tipps und Strategien bietet, um ihre Kinder beim Lernen und bei schulischen Herausforderungen zu unterstĂĽtzen. Das Buch ist praxisorientiert und bietet viele konkrete Beispiele und Ăśbungen, die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern durchfĂĽhren können. Es ist fĂĽr Eltern von Kindern jeden Alters geeignet und hilft dabei, eine positive Lernumgebung zu schaffen und den schulischen Erfolg der Kinder zu fördern.

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